Das strukturierte Interview

Das strukturierte InterviewMit einer Bewerbung ist lediglich der erste Schritt getan. Sagt diese dem Arbeitgeber zu, wird er den Kandidaten quasi immer zu einem persönlichen Gespräch einladen. Hier muss man dann auch in Person punkten, wenn man sich tatsächlich den Traumjob sichern möchte. Bei Vorstellungsgesprächen existieren tendenziell zwei große Kategorien: Das freie Interview und das strukturierte Interview. Vor allem in größeren Unternehmen mit eigener Personalabteilung gewinnt das strukturierte Interview zusehends an Bedeutung.

Diese Merkmale kennzeichnen strukturierte Interviews

Anhand der Bezeichnung lässt sich schon gut vermuten, was hinter dieser Art von Vorstellungsgespräch steckt. Das strukturierte Interview verläuft strukturiert, also anhand eines im Vorfelds ausgearbeiteten Fragenkatalogs. Diese Fragebögen werden individuell für jede verfügbare Stelle im Unternehmen ausgearbeitet, um so sicherzugehen, dass die gestellten, strukturierten Fragen tatsächlich zum Bewerber und seiner gewünschten Position passen. In erster Linie zielen diese Fragen auf die fachliche Kompetenz und die Erfahrung ab, zweitrangig widmen sie sich der Persönlichkeit und den Eigenschaften des Bewerbers.

Die Balance zwischen diesen Bestandteilen ist nicht strikt vorgegeben. Bei einer Führungskraft wird beispielsweise ein stärkerer Schwerpunkt auf die Persönlichkeit und den Umgang mit Konflikten gelegt, denn Führungskräfte sind in ihrer Rolle wesentlich häufiger damit konfrontiert. Ein klassischer Mitarbeiter, der keine führenden Verantwortungen übertragen bekommt, muss in erster Linie fachlich überzeugen. Nicht nur die Position in der Hierarchie ist entscheidend, sondern auch die Branche. So unterscheiden sich die Fragen in einem strukturierten Interview erheblich danach, denn eine Fachkraft in einem Service-Center muss andere Qualitäten aufweisen als ein IT-Mitarbeiter, welcher kaum oder gar nicht mit Geschäftspartnern und Kunden in Kontakt kommt.

Im direkten Vergleich zum freien Interview findet das Gespräch also immer wesentlich strukturierter statt. Ein prägnantes Merkmal ist dabei, dass alle Bewerber die gleichen Fragen in identischer Reihenfolge gestellt bekommen. Zudem wird immer ein Protokoll geführt, in welchem die Antworten festgehalten werden. Eine spätere Auswertung erfolgt nach diesen Protokollen. Beim freien Interview, wo keine festen Fragen bestehen, spielt das Bauchgefühl des Personalers wesentlich stärker in seine Entscheidung ein. Teilweise werden Antworten hier auch nicht schriftlich festgehalten oder es werden lediglich kleine Verweise aufgeschrieben.

Warum kommt das strukturierte Interview überhaupt zum Einsatz?

Ein strukturiertes Interview hilft dabei, die Bewerber aus einem möglichst neutralen Blickwinkel zu beurteilen. Jeder Bewerber unterscheidet sich: Nach seiner Herkunft, dem Alter, dem Geschlecht, dem sozialen Stand oder einfach entsprechend seiner individuellen Macken und Gewohnheiten. Für die berufliche Position ist es aber wichtig, diese Variablen weitestgehend auszublenden und sich stattdessen auf die “knallharten” Fakten zu fokussieren. Durch ein strukturiertes Interview und die absolute Gleichbehandlung eines jeden Bewerbers, erhält dieser eine faire Beurteilung und der Personaler ein konkretes, authentisch ermitteltes Ergebnis.

Zudem lassen sich durch den identischen Fragenkatalog Bewerber noch besser untereinander vergleichen. Dank des Protokolls können in direkter Art und Weise Vergleiche gezogen werden, indem Antworten von Bewerbern direkt gegenübergestellt werden. Weiterhin lassen sich eigenständig Kriterien festlegen. So ist beispielsweise denkbar, dass eine bestimmte Frage und Antwort einen höheren Wert zugeteilt bekommt und somit mehr Gewicht bei der finalen Entscheidung erhält. Insgesamt lässt sich damit sagen, dass strukturierte Interviews für viele Bewerber fairer und für Personaler systematisch besser analysierbar sind.

Typischer Ablauf und Beispielfragen

Auch ein strukturiertes Interview beginnt “locker”, damit Bewerber erst einmal ihre Nervosität ablegen können. Es werden einige Höflichkeitsfragen zum Befinden gestellt werden. Danach geht es an die Selbstpräsentation, Fragen zu den Beweggründen und ein genereller Überblick, welcher dem Personaler Informationen zum Werdegang und zu fachlichen Kenntnissen übermittelt. Auch Ansprüche zur Work-Life-Balance oder persönliche Vorhaben und Wertvorstellungen werden meist mit einigen wenigen Fragen abgedeckt. Danach wird dem Bewerber meist die Gelegenheit gegeben, selber einige Fragen an die Personaler zu stellen. Häufig erhalten Berufseinsteiger zudem fiktive Szenarien, welche sie spontan lösen sollen. Diese lehnen sich meist an das Berufsleben an.