Bewerbungsfoto

Bewerbungsfoto Bis zum Jahr 2006 war das Bewerbungsfoto ein fester Bestandteil der eigenen Bewerbung. Üblicherweise prangerte dieses gut sichtbar auf dem Lebenslauf, teilweise sogar direkt auf der Titelseite. Mit der Verabschiedung des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (kurz: AGG) unterliegen Bewerber aber keiner Pflicht mehr, dieses Foto tatsächlich in der Bewerbung unterzubringen. Sinnvoll kann es mitunter dennoch sein.

Warum wurde das Allgemeine Gleichstellungsgesetz verabschiedet?

Das AGG dient zur Vermeidung der Diskriminierung von Bewerbern. Weil das Äußere eigentlich in keinem direkten Zusammenhang zu den eigenen Fähigkeiten steht, und für die berufliche Tätigkeit normal keine Rolle spielen sollte, müssen Bewerber dieses auch nicht direkt in der Bewerbungsmappe zeigen. Obwohl das Gesetz nun seit mehr als 10 Jahren existiert, ist es unter Bewerbern aber immer noch gang und gäbe, ein Foto in die Bewerbung zu integrieren. Eine Diskriminierung wird in der Praxis nämlich nur sehr selten befürchtet. Hat der Bewerber eine andere Hautfarbe, sollte das schließlich kein Problem darstellen – zudem das Ziel des Arbeitgebers ja sowieso ist, diesen einzustellen und dann als Arbeitnehmer dauerhaft zu beschäftigen.

Gibt es mitunter doch Gründe, das Bewerbungsfoto wegzulassen?

Andere Hautfarbe oder nicht: es gibt durchaus Gründe, warum man eine Bewerbung “anonym”, im Sinne des Fotos, abschicken könnte. Diese sind in der Verhaltenspsychologie zu suchen, denn selbst erfahrene Personaler ziehen ein Foto natürlich heran, um den Bewerber zu beurteilen. Forschungsergebnisse bestätigen, dass Personaler in der Regel nicht mehr als zwei Minuten Zeit mit einer Bewerbung verbringen. Befindet sich auf dieser ein Foto, wird das als visueller Anker also zwangsweise im Gedächtnis bleiben oder zur Evaluierung herangezogen. Der “erste Eindruck” wird schließlich maßgeblich durch das Äußere eines Menschen geprägt, selbst wenn man das als “oberflächlich” bezeichnen könnte. Da aber nur eine beschränkte Zahl von Merkmalen in solch einer Bewerbung vorhanden ist, kann das Unterbewusstsein ein solches Foto nie völlig ausklammern. Das Bewerbungsfoto verführt deshalb selbst erfahrene Personaler dazu, einen Menschen vor zu „verurteilen”.

Besonders betroffen fühlen sich Menschen, die auffällige Merkmale im Gesicht haben. Das könnten beispielsweise ein Piercing, eine ausgefallene Haarfarbe oder die Zeichen eines Unfalls sein. Lenken diese optischen Merkmale so stark ab, dass ein mitunter fähiger Bewerber gar nicht erst die Chance auf ein Vorstellungsgespräch bekommt, ist das für diesen natürlich ärgerlich. Wird auf ein Foto verzichtet, könnte diesem Risiko erst einmal aus dem Weg gegangen werden – auch wenn ein sichtbares Piercing oder knallige Haare dann natürlich einen besonders großen “Aha-Effekt” beim Vorstellungsgespräch auslösen.

Warum sich die Bewerbung ohne Bewerbungsfoto dennoch nicht wirklich durchgesetzt hat

In Deutschland haben sich die Fotos in der Bewerbung über Jahrzehnte etabliert. Sie sollen einen persönlicheren Eindruck vermitteln und “Nähe” zum Personaler aufbauen. Zugleich wird damit immer noch kommuniziert, dass man eben nichts zu “verbergen” hat. Sehen Personaler dann doch einmal eine Bewerbung ohne Foto, kommen mitunter schnell Fragen nach dem “Warum?” auf. Das werten viele Bewerber schon als Nachteil, bevor es überhaupt um die Qualifikationen geht. Wobei Unternehmen sich natürlich selber ein Bein stellen, wenn sie die Qualifikationen, Fähigkeiten und Erfahrungen nicht als oberste Priorität betrachten.

Weil die Bewerbungsfotos in Deutschland aber einfach so fest verankert sind, fällt ein Umbruch durchaus schwer. Dabei bildet Deutschland im internationalen Vergleich eine echte Ausnahme. In den USA sind Fotos auf Bewerbungen verpönt, in Spanien, Frankreich und Großbritannien wird mehrheitlich ebenfalls auf diese verzichtet. Die Verabschiedung vom AGG hat in der Praxis aber nicht viel geändert – auch nach 10 Jahren nicht. Ob sich das künftig ändern wird, bleibt fraglich. Die größte Chance besteht wohl darin, dass die alte Generation der Personaler, die mit dem Foto in der Mappe “aufgewachsen” sind, durch eine neue Generation ersetzt wird – welche das Foto nur noch als freiwillige Beilage sieht, aber auch nicht mit der Stirn runzelt, wenn es eben fehlt.